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Bulgarien Gebirge > Balkangebirge > Iskardurchbruch

Iskardurchbruch

Der Iskardurchbruch ist eine Perle, ein in die steinerne Brust des Balkangebirges gehauenes Naturwunder. Jahrtausende lang hat das Wasser des Iskar sich da seinen Weg durch des Gebirges Höhen gebahnt und hat dabei unwahrscheinliche Formen ausgewaschen, die jeden Besucher in Erstaunen versetzen.

Der Iskardurchbruch beginnt in der Ebene von Sofia (550 m ü. d. M.) und endet nach der Durchquerung des Vorbalkans beim kleinen Städtchen Tscherven brjag (95 m. ü. M.). Damit ist er 156 km lang. Sein schönster und bewundernswürdigster Abschnitt sind die 67 km zwischen dem Städtchen Novi Iskar und dem kleinen Dorf Ljutibrod. Und genau dieser imposante und malerische Teil ist unter der Bezeichnung Iskardurchbruch bekannt. Gleich zu Beginn des Durchbruchs fangen die plötzlichen Verengungen des Tals in gut ausgeprägten Mäandern an. Die Talhänge sind bald schwach schräg geneigt, bald steil und unzugänglich. Dann kommt der märchenhafte Teil um die Bahnhöfe Zerovo und Lakatnik, wo die herrliche Landschaft durch ein felsiges Amphitheater nur noch mehr betont wird. Bei Tscherepisch schlängelt sich der Fluss durch so etwas wie einen Cañon, zu dessen beiden Seiten milchweiße Kalksteinwände gen Himmel ragen. Und nur wenige Kilometer weiter öffnet sich der Blick auf  die Gegend Ritlite, die zugleich die Grenze bilden zwischen der Hauptbalkangebirgskette und dem Vorbalkan mit seinen ruhigeren Falten.

Der eigentliche Teil des Iskardurchbruchs war Jahrhundert hindurch nur schwer zugänglich. Die Wege, die die beiden Seiten des Gebirges miteinander verbunden haben, verliefen hoch oben auf dem Kamm. 1889 wurde dann eine Eisenbahnlinie durch den Durchbruch gebaut (in der Folge zweigleisig), die sehr bald das Leben am Flusslauf völlig veränderte. Neue Ortschaften sind entstanden, neue Nahrungsquellen wurden erschlossen und das Eindringen in die Falten des Gebirges ging nun schneller und leichter. Später wurde dann auch die Straße gebaut. In den letzten Jahren sind an den schönsten Stellen am Iskar, um die Bahnhöfe und winzigen Ortschaften herum ganze Villensiedlungen entstanden (vor allem von Hauptstädtern), die dem Durchbruch ein neues Kolorit verleihen.

Gleich am „Eingangstor“, dem Städtchen Novi Iskar, kann man noch vor dem Betreten des Durchbruchs selbst die beliebten Katiner Pyramiden in der Nähe des Dörfchens Katina besuchen (vom Kurilo-Viertel bis dahin ist es 1 Stunde Fußmarsch, mit dem Wagen bis zum Dorf geht´s auch und von dort braucht man nur noch 15 – 20 Minuten bis dahin). Auf den ersten 15 km in den Durchbruch hinein reihen sich Häuser und Villen der langgestreckten Ortschaften Vlado Tritschkov, Rebrovo, Lukovo und Tompsan. Wirtschaftlich am besten entwickelt ist Rebrovo. Es ist Ausgangspunkt von mehreren markierten Wanderwegen Richtung Berghütte Bukovez  (4 km bis Batulija; das Dorf ist auch mit einem öffentlichen Bus zu erreichen und dann sind es noch 3 Stunden Fußmarsch auf einem kleinen Pfad), dann in Richtung Berghütte Leskova (20 km mit einem Linienbus bis zum Dörfchen Ogoja und von dort 2,5 Stunden zu Fuß). Außerdem kann man von hieraus auch Wanderungen in die Gebirge um Sofia machen.

Die einzige Stadt im Iskardurchbruch ist Svoge (8 351 Einwohner, 520 m ü. d. M.). Sie liegt in der breitesten Talerweiterung, nämlich dort, wo der größte linke Nebenfluss, der Iskrezka, in den Iskar mündet. Svoge liegt 40 km nördlich von Sofia und 60 km südwestlich von Mesdra. Wegen seiner reinen Gebirgsluft und seiner schönen Umgebung ist es auch Luftkurort. 10 km westlich davon liegt im Iskrezka-Tal das Dörfchen  Iskrez mit einem der größten Sanatorien für Brusterkrankungen in unserem Land. Die Vergangenheit von Svoge und Umgebung ist im archäologischen Museum zu verfolgen (Zar-Simeon-Straße, Öffnungszeiten 15.00 – 18.00 Uhr). Erhalten geblieben ist noch die Paraskeva-Kirche mit interessanten Wandmalereien aus dem 16. und 17. Jh. Außerdem ist da ein Denkmal der in den Kriegen von 1912 – 1928 Gefallenen. Hier hat auch die größte Schokoladenfabrik in Bulgarien ihren Standort (Krafts – Jacobs – Suchard). Und übernachten kann man im Hotel AIPI (Sofroni-Vatschanski-Straße 12).

Touristeninformation bekommt man hier oder im Touristenverein Iskarski prolom (Zar-Simeon-Straße 15, 0726 2593). Svoge ist zugleich Bahnstation an der Bahnlinie Sofia – Mesdra – Russe (Varna). Buslinien führen zu allen umliegenden Ortschaften. Busbahnhof (0726 3194) und Eisenbahnhof (0726 2310, 2223) liegen nebeneinander im Stadtzentrum. Von Svoge aus kann man wunderschöne Wanderungen in alle Richtungen in der Umgebung unternehmen, doch markierte Wanderwege gibt es nicht.

Hinter Svoge folgen dann im Iskardurchbruch Zerovo, Bahnhof Bov und Bahnhof Lakatnik. Von dort aus gelangt man in eine Wunderwelt. Senkrechte Felswände, vor allem am linken Iskarufer, werden immer eindrucksvoller und eindrucksvoller, bis sie ihren Höhepunkt erreichen, die Felsen von Lakatnik. Ein außergewöhnliches Naturschauspiel. Hier haben die ersten bulgarischen Bergsteiger geübt. Und auch heute noch sind sie ein vorzügliches Bergsteigerobjekt. In den Felsen hat der Bergsteigerunterstand „Adlerhorst“ seinen Platz gefunden. Errichtet wurde er 1938 mit viel Liebe von den Mitgliedern des damaligen bulgarischen alpinen Clubs und hier können 4 Bergsteiger unterkommen. Ebenfalls in der Nähe ist die vielstöckige Höhle Temnata dupka  und auch die Karstquelle Shitoljub, neben der auch ein kleines Restaurant ist. Vom Bahnhof Bov kommt man innerhalb 1 Stunde (markierter Weg) zu einem der höchsten Wasserfälle in Bulgarien, nämlich Skaklja (85 m). Und von dort geht´s weiter auf markierten Wanderwegen über die Dörfer Sasele und Simeviza zur Hütte Probojniza (3 – 3,5 Stunden).

Vom Bahnhof Bov führen markierte Wanderwege auch in die entgegengesetzte Richtung zur Berghütte Trastenaja (4 Stunden), wobei man unterwegs eben mal einen kleinen Abstecher auf einem markierten Weg zu einem winzigen Ort machen kann, in dem auch der bulgarische Nationaldichter Ivan Vasov oft gewesen ist (das Haus ist erhalten, vom Bahnhof sind es 1,5 Stunden bis dahin). Vom Bahnhof Lakatnik führen ebenfalls markierte Wanderwege weiter, und zwar zur Berghütte Trastenaja (3,5 - 4 Stunden), von wo aus man die schönen Balkangebirgsgipfel Isdrimez (1493 m), Javorez (1348 m) und andere Berge erklimmen kann. Dann geht´s auch noch zur Berghütte Probojniza (4 Stunden), zur Berghütte Parscheviza (4 - 5 Stunden) und zur Berghütte Bjalata voda (7 - 8 Stunden).

Weiter folgen dann im Iskardurchbruch Bahnhof und Dorf Opletnja, Haltestelle Prolet, Elisejna. Hier werden die Talhänge irgendwie weicher, doch die Landschaft ist nach wie vor sehr reizvoll. Von Opletnja kommt man in etwa 4 Stunden Fußmarsch auf einem markierten Wanderweg zur Berghütte Parscheviza im Balkangebirge bei Vraza, wo der beste Schafs- und Schnittkäse hergestellt wird. Von der Haltestelle Prolet gelangt man auf einer von Elisejna kommenden Asphaltstraße nach ca. 3 Stunden (15 km, markiert) zum hübschen, sich in den Schoß des Balkangebirges kuschelnden  Kloster Sedemte Prestola, das am rechten Ufer des malerischen Flüsschens Gabrovniza liegt. Erbaut wurde es im 11. Jh. von den Brüdern Petar Deljan – Fürst Georgi – Gavril. 1737 wurde es geplündert und niedergebrannt, 1770  aber wieder hergestellt. Hier haben sich gern die Haiducken verborgen gehalten, die Freiheitskämpfer gegen das osmanische Joch. 1799 war auch der große Aufklärer Sofronij Vatschanski hier und später auch der große Freiheitskämpfer Vasil Levski. Hier hat der Nationaldichter Ivan Vasov sein Werk „Das Läutebrett klappert“ geschrieben (1899). Von besonderem Interesse ist die Kirche, deren Architektur nicht nur in Bulgarien einzigartig ist, sondern in ganz Europa. Erbaut wurde sie 1815 und erneuert 1868. Zu beiden Seiten des zentralen Altars sind jeweils drei kleine, durch gesonderte Türen abgetrennte Räume mit je einem Altar (prestol) und einem Ikonostas. Eben diese 7 Prestola (Altäre) haben dem Kloster seinen Namen gegeben. Hübsch ist auch der große hölzerne Kronleuchter, genannt der Reigen, (1815), der aus 15 reich mit Holzschnitzereien versehenen Teilen besteht. Im Kloster kann man auch übernachten, und das ist nicht teuer. Von hier aus kann man dann seinen Weg in die verschiedensten Regionen des Gebirges fortsetzen. Von  Elisejna kommt man bis zum Kloster mit einem Linienbus (Richtung Osenovlag) und in der entgegengesetzten Richtung gelangt man auf einem markierten Wanderweg bis zur Berghütte Parscheviza (etwa 5 Stunden). Von Sverino (hier haben 40 der von Botevs Freischar nach deren Zerschlagung mit Vojnovski an der Spitze den Iskar überquert), der nächsten Ortschaft im Iskardurchbruch kann man auf einem markierten Wanderweg innerhalb von 5 – 5,5 Stunden ebenfalls zur Berghütte Parscheviza gelangen. Auf unmarkierten Wegen durch das Gebirge kommt man ebenfalls zum Kloster Sedemte prostola (7 – 8 Stunden) und zur  Berghütte Leskova (6,5 – 7 Stunden). Hinter Sverino wird der Fluss erneut durch die weißen Kalksteinfelsen eingeengt. In Erstaunen versetzen die Felsen und die Flusswindungen. Fast überall berührt das Wasser direkt die Felsen, deshalb müssen sich Straße und Eisenbahnlinie auch oft durch Tunnel unterschiedlicher Länge zwängen.

Am rechten Ufer liegt zwischen Sverino und Ljutibrod 1 km vom Bahnhof Tscherpisch das historisch bedeutsame  Kloster Tscherepisch. Furcherregend ist die Sage von den Anfängen dieses Klosters, das sich da unterhalb der Felsen einkuschelt und andererseits vom Fluss bedrängt wird: Einst haben sich die Krieger von Zar Ivan Schischman (1323 – 1333) in eine harte Verteidigungsschlacht für die umliegenden Gebiete den Feinden des Zarenreiches entgegengeworfen. Nach der grausamen Schlacht haben sie die Schädel der Gefallenen an der Stelle des heutigen Klosters zu Haufen aufgetürmt. Und vielleicht wurde das Kloster ja in Erinnerung an diese unsere Vorfahren errichtet (14. Jh.) und Tscherepisch (Schädelstätte) genannt, um ihren armen Seelen Ruhe und Frieden zu geben. Diese Sage korrespondiert durchaus mit einigen lokalen Namen wie Schischmanovi dupki, Schischmanez u. a. m. Unter den von diesem Kloster noch erhalten gebliebenen Schriften ist das im 15. Jh. auf Papier geschriebene Evangelium mit einem im Kloster selbst gefertigten Goldbeschlag. Es zeugt von der Verbindung des hiesigen Klosters mit den Klöstern auf dem Athosberg in Nordgriechenland. In einer Schrift von 1623 wurden 3 Aufsätze von Patriarch Evtimij entdeckt. An Wänden und Bögen des Klosters sind Wandmalereien von Jonko Popvitanov. Von Interesse sind die Holzschnitzereien an Ikonostas  und Bischofsthron. Ein silbernes Reliquiengefäß aus dem 18. Jh. und eine reich bestickte Decke mit der Kreuzigung und Grablegung Jesu Christ (Plaschteniza) aus dem 19. Jh. vervollständigen die Kostbarkeiten dieses Klosters. Hier hat Sofronij Vatschanski zweimal Zuflucht gesucht. Unmittelbar am Ausgang des eigentlichen schönen Abschnittes des Iskardurchbruchs stellen sich uns 1 km vor dem Dörfchen Ljutibrod als ein letztes beeindruckendes Dekor Rilite unserem Blick. Sie gehören zu den sehenswertesten Naturphänomenen im Iskardurchbruch. Vier eigenwillige parallel verlaufende Felswände erheben sich da zu beiden Ufern. Der volkstümliche Name vergleicht sie mit den seitlichen Aufsätzen eines Ochsenkarrens zur Heuernte. Auf der Flussseite sind sie 49 m hoch, nach Westen zu erreichen sie eine Höhe von 200 m. Südwestlich von Ritlite liegt auf dem linken Flussufer das historische Raschov dol. Anfang Juni 1876 mussten hier 12 Leute von Botevs Freischärlern, geführt von Georgi Apostolov, ihr Leben lassen. Ein kleines Denkmal erinnert an den Untergang dieser Helden. Das Gelände um ihre Richtstätte herum wurde in einen Park verwandelt. Von Ljutibrod gelangt man auf einem markierten Wanderweg in 3 Stunden zu Gipfel, Denkmal und Berghütte Okoltschiza, dem Golgatha des unsterblichen Dichters und Revolutionärs Hristo Botev und seiner heldenhaften Freischärler. Auf einer Asphaltstraße gelangt man auch mit dem Wagen dorthin.

Hinter Ljutibrod verbreitert sich der Iskardurchbruch und tritt in den Vorbalkan ein. Seine majestätische Würde verliert er hier zwar, doch bei Roman, Kunino, Karlukovo und Reselez sind neue unerwartete Schönheiten und herrliche Winkel zu entdecken. Zu berücksichtigen ist, dass außer am Bahnhof von Svoge im ganzen Iskardurchbruch nur Personenzüge halten, und auch nur in Svoge gibt es Übernachtungsmöglichkeiten.

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