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Sprache

Die Altbulgaren gehörten zur indisch-persischen (osteuropäischen) Volksgruppe; als Rassentyp werden sie auch als „kaukasisches“ Volk bezeichnet (so die westeuropäische wissenschaftliche Terminologie). Ihre Schriftzeichen waren Runen. Die Sprache der Bulgaren im Donau-Bulgarien entstand aus der Notwendigkeit der Anpassung an das Christentum heraus, und zwar auf der Grundlage des Altbulgarischen und der Sprachen der Slawen aus der bulgarischen Gruppe. Sie wurde von der Kirche nach dem Lateinischen, dem Griechischen und dem Hebräischen als vierte offizielle Sprache anerkannt.

Historisch gesehen enthält die Sprache der Bulgaren sehr wenig Material aus der thrakischen Lexik, das sich noch dazu hauptsächlich über altgriechische Quellen in die moderne Sprache herübergerettet hat. Als wissenschaftliche Termini aus den unterschiedlichsten Bereichen von Wissenschaft, Kultur und Politik werden auch Wörter aus dem Altgriechischen und Lateinischen verwendet, die in viele europäischen Sprachen üblich sind. Um die Wende vom 19. zum 20. Jh. waren im bulgarischen Wortschatz noch zahlreiche türkische Wörter gebräuchlich, die sich dann später ganz von selbst verloren bzw. der Sprache nur noch ein besonderes Kolorit verleihen. Russische Wörter und Ausdrücke fanden erst nach der Befreiung Bulgariens vom osmanischen Joch Eingang ins Bulgarische. Zu Beginn des 20. Jh. wurde ein Versuch unternommen, die Sprache von Fremdwörtern zu befreien, doch viele davon blieben in der Fachsprache immerhin erhalten. Lateinische Wörter werden traditionsgemäß in der Wissenschaft verwendet, in Medizin, Rechtswesen und Politik und Soziologie. Französische Wörter und Ausdrücke sind in der Sprache der Kunst zu finden, deutsche in der Technik, italienische in der Musik. Auch das Englische ist eine Quelle für neue Wörter im Bulgarischen. Außer bei Computern, Musik, Politik, Geschäftswesen und Kultur sind englische Wörter und Ausdrücke einfach modern und werden vor allem von jungen Leuten bevorzugt. Dieses Problem sollte in den nächsten Jahrzehnten aus der Welt geschaffen werden, damit das Bulgarische seine Eigenständigkeit bewahrt.

Die eigentliche bulgarische Schriftsprache ist in der so genannten Widergeburtszeit des 18. und 19. Jh. entstanden. Sie zeichnet sich aus durch das Entfallen der Fälle, das Anhängen des bestimmten Artikels an das Substantiv, neun Verbzeiten und so manches andere mehr. Die heute in Bulgarien gesprochenen Dialekte können in zwei großen Gruppen zusammengefasst werden, nämlich Ost- und Westdialekte. Der Unterschied im Wortschatz ist da nur unbedeutend, d. h. nur 20 % unterschiedliche Wörter werden verwendet, und das hauptsächlich in der Alltagssprache. Ein wesentlicheres Merkmal ist die Aussprache, auch die gebildeterer Leute. Die westlichen Dialekte haben eine härtere Aussprache, weniger Vokale und stehen dem Serbokroatischen und Tschechischen näher. Im Osten wird weicher gesprochen, und zwar mit größerer Betonung auf den Vokalen; es wird ein wenig „gesungen“, und die Dialekte haben mehr Ähnlichkeit mit dem Russischen, Ukrainischen und dem Weißrussischen.

Das Alphabet, in dem die Bulgaren schreiben, ist das Kyrillische. Mitte des 9. Jh. hat Konstantin – Kyrill, der Philosoph unter Mithilfe seines Bruders Metodij das erste bulgarische Alphabet geschaffen, genannt Glagoliza. Sie übersetzten Kirchenbücher und schufen auch Schrifttum in der bulgarischen Volkssprache. Ende des 9. Jh. wurde dann auch das andere altbulgarische Alphabet zusammengestellt, das kyrillische, das als Vorlage für das von Bulgaren, Serben, Russen, Ukrainern u. a. Völkern heute verwendete Alphabet diente. Die erste Sprachreform wurde mit dem Entstehen der neuen Ideen zu Beginn des 19. Jh. vorgenommen und verlief ganz natürlich. Damals entfielen ungefähr 10 veraltete Buchstaben und Buchstabenverbindungen. Die zweite Reform wurde nach der Befreiung von der osmanischen Fremdherrschaft durchgeführt, wobei vor allem in der Wortfolge und dem Satzbau der Rede Veränderungen vorgenommen wurden. Die dritte Reform geschah nach 1945. Da sind noch mehrere Buchstaben gestrichen worden, so dass das Alphabet nun 30 Zeichen hat.

Ins Bulgarische übersetzt ist wichtigste klassische und zeitgenössische Belletristik, darüber hinaus gibt es zahlreiche wissenschaftliche und fachspezifische Ausgaben, genügend Bücher über Wissenschaft, Kultur, Sport, Religion und Reisen. Die größte Bücheransammlung Bulgariens besitzt die Nationalbibliothek Kyrill und Metodij.

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