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Nord Bulgarien > Veliko Tarnovo > Geschichte

Veliko Tarnovo Geschichte

Veliko Tarnovo hat eine ruhmreiche historische Vergangenheit. Die Stadt ist Symbol des bulgarischen Staates und damit der Stolz eines jeden Bulgaren. Jedes Fleckchen in der Stadt ist mit der Geschichte verbunden.

Die Ausgrabungen auf dem Trapesiza-Hügel weisen in die erste Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. zurück. Aus der Bronzezeit (13. Jh. v. Chr.) stammen Ruinen auf dem Zarevez-Hügel . Diese Niederlassung wurde von thrakischen Stämmen bewohnt  und bestand bis Ende der Eisenzeit. Die Blüte fällt in die Zeit  vom 6. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. Spuren fehlen aus den ersten Jahrhunderten der Römerzeit bis ins neue Zeitalter.

Die nächste Schicht der Ausgrabungen auf dem Zarevez weist auf frühbyzantischen Ursprung hin (vom 5. Jh. bis zur ersten Hälfte des 7. Jh.), als auf dem Hügel eine befestigte Stadt stand, die drei Jahrhunderte überdauerte (einer der Stützpunkte von Byzanz im Nordteil der Balkanhalbinsel). Auf deren Grundmauern wurde zwischen dem 7./10. Jh. eine slavisch-bulgarische Siedlung  errichtet. Ende des 10. Jh. war der Hügel dicht besiedelt, im 12. Jh. war die hier befestigte Stadt ein Wirtschaftszentrum.

Der Name stammt vom slavischen Wort tern oder tran, später Ternov, Tranov, Tarnov, Tarnovgrad, Tarnovo und Veliko Tarnovo. Veliko wurde es wegen seiner Größe und Schonheit genannt. 1187 erhoben sich die Brüder Assen und Petar gegen Byzanz, das Frieden schließen musste. Die Wiederherstellung des Bulgarischen Reiches war damit anerkannt, Tarnovo wurde zur  Hauptstadt (dritte in der Geschichte Bulgariens) ernannt. Die nächsten zwei Jahrhunderte sind unter der Bezeichnung Goldenes Zeitalter in die Geschichte eingegangen.

Auf dem Zarevez-Hügel wurden die Zarenresidenz und der Sitz des Patriarchen erbaut, auf dem Trapesiza-Hügel die Häuser der Bojaren (Angehörige des Adels) und der hohen Geistlichen. Dort errichtete man auch zahlreiche sakrale Bauten. Zwischen den beiden Hügeln, im Assenova-Machala, lebten am Fluss die Handwerker. Das Viertel der ausländischen Kaufleute (Franken) lag südöstlich vom Balduinturm. Der Zarevez- und Trapesiza-Hügel waren zu einer fast uneinnehmbaren Festung ausgebaut worden, sie bildeten die ‘innere Stadt’. Die anderen Viertel, ebenfalls gut befestigt, bildeten die ‘äußere Stadt’. Das gemeine Volk musste sich mit Behausungen außerhalb der befestigten Hügel begnügen, am Hügel Momina-Festung an der Jantra. Im 13./14. Jh. war die bulgarische Hauptstadt ein politisches, wirtschaftliches  und kulturelles Zentrum in Europa. Neben Byzanz war Bulgarien führende Kraft auf dem alten Kontinent, die Blütezeit des Staates fiel in diese Zeit. Es wurden herrliche Paläste, Klöster, Kirchen, Festungsanlagen, Brücken und Häuser gebaut. In Tarnovo wurden Malschulen und Gelehrtenschulen gegründet. Bekannte Vertreter sind Patriarch Eftimij und Teodosios von Tarnovo. Aber dieser Glanz war nicht von Dauer. Am 17. Juni 1393 machten die Türken nach dreimonatiger Belagerung die Stadt dem Erdboden gleich. Kirchen und Paläste versanken, Bulgarien fiel unter türkische Fremdherrschaft.

Jahrhunderte vergingen, bis Tarnovo zur Zeit der ‘Nationalen Wiedergeburt (18./19. Jh.) eine neue Blütezeit erfuhr. Handel und Handwerk entwickelten sich, es wurden schöne Häuser, Kirchen und öffentliche Gebäude errichtet, Ausdruck der Aufklärung und des nationalen Selbstbewußtseins im Kampf um geistliche und nationale Unabhängigkeit. Einen großen Beitrag leistete hier zweifellos der berühmte Baumeister Koljo Fitscheto. Die Stadt blieb jedoch immer ein Unruheherd, ständig gingen von hier Aufstandsversuche aus, der erste 1598. Die Einwohner von Tarnovo nahmen auch an den Aufständen von 1686 und 1700 teil, am Veltschover-Aufstand von 1835, an der Erhebung von Hauptmann Djado Nikola ( 18856 ), an der von Hadshi Stavrev (1862) und am Aprilaufstand 1876. Damals wurden in der Stadtmitte Batscho Kiro, Zanko Djustabanov und viele andere Freiheitskämpfer durch den Strang hingerichtet. Vassil Levski verweilte auch in Tarnovo (1872  brachte man ihn in Ketten in die Stadt).

Am 7. Juli 1877 wurde Tarnovo befreit. Vom 10. Februar bis 16. April 1879 wurde hier die erste bulgarische Verfassung ausgearbeitet, das Tarnovoer Grundgesetz, eines der demokratischsten Gesetze in Europa für diese Zeit. Am 17. 4. 1879 konstituierte sich die Erste Große Gesetzgebende Versammlung (Parlament) des befreiten Landes, um ein Staatsoberhaupt zu wählen. Am 27. 7. 1879 wurde Alexander Battenberg  zum Fürsten von Bulgarien ausgerufen. In Tarnovo trafen Stefan Stambolov und Petko Karavelov die Verfügung, dass die Vereinigung des Fürstentums Bulgariens mit Ostrumelien anerkannt wurde.

Obwohl nach der Befreiung Sofia zur  Hauptstadt wurde, ist Tarnovo nach wie vor jedem Bulgaren heilig, ein Ort des bulgarischen Nationalgeistes und der Selbstbesinnung. In Tarnovo wurden Petko  R. Slavejkov und der große bulgarische Schauspieler Konstantin Kisimov geboren, die Schriftsteller Emiljan Stantschev und Dimitar Mantov.

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