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Nordwest Bulgarien > Tschiprovzi > Geschichte

Tschiprovzi Geschichte

Tschiprovzi ist eine alte Siedlung aus der thrakischen Zeit. Schon damals war der Bergbau bekannt. Hier gab es Vorkommen von Kupfer, Blei, Gold, Silber und Eisen. In der Römerzeit zählte der Ort zu denen mit dem größten Goldvorkommen auf der Balkanhalbinsel. Von der lateinischen Bezeichnung für Kupfer (Cuprum) stammt der Name des Ortes, der ursprünglich Kiprovez lautete, später Tschiporovzi und seit 1956 Tschiprovzi. In der Spätantike war der Erzbergbau von großer Bedeutung für das Militär des Römischen Reichs (heute Artschar). Nach dem 6. Jh. siedelten sich hier die Slaven an, die von der Erfahrung der Einheimischen im Erzbergbau profitierten.

Im 13.-16. Jh. brachte der Erzbergbau dem Ort gewisse Privilegien. Bergleute aus Sachsen brachten ihre Erfahrung ein, was zu einem noch größeren Aufschwung führte. Die bulgarischen Bojaren Soimirovi ließen nicht zufällig hier ihre feudalen Landhäuser errichten, in denen zu Beginn der türkischen Fremdherrschaft eine große Anzahl Aristokraten Zuflucht fand. In den ersten drei Jahrhunderten der Fremdherrschaft erreichte Tschiprovzi seine wirtschaftliche, politische und kulturelle Blütezeit. Die größte Entwicklung erfuhr das Goldschmiedehandwerk. Die hergestellten Stücke bewiesen die Kunst ihrer Meister und machten den Ort im 16. und 17. Jh. neben Istanbul, Solun und Belgrad zu einem weiteren Zentrum der Goldschmiedekunst  auf der Balkanhalbinsel. Der Handel mit den berühmten Bechern aus Tschiprovzi blühte nicht nur hier und im Osmanischen Reich, sondern erreichte auch die Märkte in Zentraleuropa. Die Einwohner investierten ihren Reichtum in den Bau von Kirchen, Klöstern, Schulen und schönen Häusern.

Im 16. Jh. wurde in Tschiprovzi eine Gelehrtenschule gegründet. Hier entstanden „Abagar“ von Filip Stanislavov, die geistlichen, philosophischen und historischen Werke von Peter Bogdan, Jakov Pejatschevitsch und Krastju Pejkitsch. Der Kampf um nationale Unabhängigkeit wurde Mitte des 17. Jh. von Peter Bogdan und Peter Partschevitsch angeführt. Anfangs hoffte man noch auf die Hilfe der westlichen Nachbarn und des Papstes. Als diese ausblieb, wurde der Volksaufstand aus eigener  Kraft vorbereitet. So brach im September 1688 der Tschiprovoer Aufstand aus, angeführt von Georgi Pejatschevitsch, Bogdan Marinov, den Brüdern Ivan und Michail Stanislavovi , Peter Partschevitsch. Zur entscheidenden Schlacht kam es in Sheraviza, wo die Aufständischen vom türkischen Vasallen, dem ungarischen Grafen Emerik Tekeli geschlagen wurden. Die Überlebenden flohen nach Tschiprovzi und ins Kloster von Guschovo. Danach begann ein nie dagewesenes Blutbad. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wurde ermordet. Manche konnten sich in die Walachai, nach Ungarn oder Kroatien retten. Die Stadt wurde ausgeraubt, zerstört und niedergebrannt. Nie wieder konnte der Ort seine ehemalige Größe und Schönheit erlangen. Aufstände fanden auch 1836 (unter Mantscho) und 1837 (unter Varban Penev) statt, die Einwohner nahmen auch am Vidiner Aufstand von 1850 teil.

Im 19. Jh. entwickelte sich die Teppichweberei. Die bekannten Teppiche aus Tschiprovzi werden von Hand aus reiner Wolle auf einem vertikalen Webstuhl hergestellt. Noch heute finden sie Käufer in aller Welt. In vielen bulgarischen Wohnungen leuchten die herrlichen Farben der Natur von Tschiprovzi, die geschickte Hände in den Mustern der Teppiche eingefangen haben.

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