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Schwarzmeerküste > Varna > Geschichte

Varna Geschichte

Die Stadt hat eine tausendjährige Geschichte. Wegen der außerordentlich günstigen Lage und guten Sichtweite ( fast 270 0 ) bauten die Kobrisen am kleinen Kap (heute Hafengegend) bereits im Altertum ein kleines thrakisches Fischerdorf. Die eigentliche Stadtgründung datiert aber auf das 6. Jh. v. Chr., als kleinasiatische Griechen aus Milet die Stadt Odessos gründeten. Anfangs eine Kolonie mit vorwiegend Fischerei und Landwirtschaft, entwickelte sie sich im 5. Jh. v. Chr. zu einem eindrucksvollen Handelszentrum. Bis zur Römerzeit wurde vorwiegend der thrakische Gott Darsalas verehrt, entgegen dem Kult der damaligen Zeit zu Apollo und Dionysos. Altgriechische und römische Nachweise belegen ihm zu Ehren veranstaltete Mysterienspiele, Wettkämpfe und Umzüge.

Alexander der Große belagerte im 4. Jh. v. Chr. die Stadt über längere Zeit, später erreichte sie  den Status eines autonomen Stadt-Staates in seinem Reich. Zur Zeit Lysemachos wurde sie durch Aufstände befreit und erreichte erneut eine Vorrangstelle an der nördlichen Schwarzmeerküste. Bis zum 1. Jh. v. Chr. war sie eine freie Stadt, hier wurden Münzen mit dem Abbild ihres Schutz-Gottes geprägt. Von den Legionen des römischen Feldherrn Lucullus eingenommen, wurde die Stadt zum wichtigen römischen regionalen Zentrum. Der große römische Poet Ovid unterbrach hier seinen Weg in die Verbannung nach Tomi (heute Küstendsha in Rumänien).

Odessos musste seine Führungsrolle allmählich an das unter Kaiser Trajan errichtete Marcianapolis (heute Devnja) abtreten. Während der Raubzüge der Barbaren wurde es mehrmals erobert und zerstört, gehörte bald zum Territorium von Byzanz, bald lag es außerhalb seiner Grenzen. Seit dem  9. Jh. trägt die Stadt den Namen Varna. Vermutlich brachten die Protobulgaren aus Zentralasien (aus Gebieten um die Nebenflüsse des Ganges in Indien) die Bezeichnung ebenso mit wie den Begriff Kasta (Farbe). Nach zahlreichen Kriegen zwischen Bulgarien und Byzanz gehörte Varna im 13. Jh. unter Zar Kalojan zu Bulgarien. Zu den starken Befestigungsanlagen zählten die drei Festungen am Kap Galata, am Kap Hl. Dimitar und die Festung Petritsch am See von Beloslav.

Trotzdem wurde die Stadt 1391 von den Türken eingenommen. Es kam zu einem raschen wirtschaftlichen Verfall. 1444 führten der polnische  König Vladislav III Jagelo (Varnentschik)  und der ungarische Woiwode Janos Huniadi ihren Kriegszug gegen die Stadt, die von Kreuzrittern belagert war. Trotz großem Kräfteaufgebot scheiterte die christliche Koalition, König Vladislav fiel. Ihm zu Ehren errichtete die Bevölkerung der Stadt ein Mausoleum. Im Laufe der Zeit siedelten sich viele Türken in Varna an, die der Stadt immer mehr ein orientalisches Aussehen verliehen. Moscheen wurden errichtet, Amtssitze der türkischen Verwaltung gebaut, türkische Bäder eröffnet. Sakralbau war auf lange Zeit verboten. Varna war mit seinen Befestigungsanlagen fast uneinnehmbar und hatte die nordöstlichen Grenzen des Osmanischen Reichs zu schützen. Handelspolitisch blieb die Stadt von großer Bedeutung. Im Russisch-türkischen Krieg von 1828 wurde die Festung von den russischen Soldaten eingenommen und blieb längere Zeit in ihrer Gewalt. In den nächsten Jahrzehnten wuchs das Gefühl der nationalen Selbstbesinnung, es wurden Schulen eröffnet, Lesestuben eingeweiht, Kirchen errichtet.

Nach der Befreiung von der Türkenherrschaft 1878 wurde Varna zur wichtigsten Hafenstadt Bulgariens. Ende des 19. Jh. wurde die Stadt an die Eisenbahnlinie nach Sofia angeschlossen. Fabriken wurden gegründet, der Fischfang industrialisiert. Unter Einfluss der europäischen Mode in Architektur und Wassertransport entwickelte sich Varna zum Seebad. Ferienheime und Unterhaltungsgaststätten wurden gebaut, die kulturelle Elite verbrachte künftig ihren Urlaub in Varna. Kurze Zeit hieß die Stadt  Stalin, bekam jedoch 1956 ihren   

alten Namen zurück.

Varna wurde zum Zentrum an der nördlichen Schwarzmeerküste und maßgebend für den Bau zahlreicher Seebäder in unmittelbarer Stadtnähe. Es ist Umschlagplatz des modernen Handels zwischen Ost und West, industrieller Mittelpunkt und nach Sofia und Plovdiv die drittgrößte Stadt Bulgariens.

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