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Südost Bulgarien > Malko Tarnovo > Geschichte
Malko Tarnovo Geschichte
Die Stadt liegt auf einer ehemaligen thrakischen Siedlung, große Dolmen und Hügelgräber sind erhalten geblieben. Nach der Auffassung der Brüder Schkorpil hat hier die römische Wegewacht Utsurgas gestanden. Die heutige Stadt ist Ende des 17./Anfang des 18. Jh. entstanden, als sich die Bewohner umliegender Dörfer an der Quelle Golemija Vris ansiedelten, die heute noch gutes Trinkwasser spendet. Der Name der Stadt geht vermutlich auf die zahlreichen Disteln (Tran) in der Umgebung zurück, denn der ursprüngliche Name war Tranovo, erst später ist daraus Tarnovo geworden. Damit es nicht zu Verwechslungen mit der alten bulgarischen Hauptstadt kam, fügte man ein Malko hinzu, was klein bedeutet.
Erste Angaben über die Stadt der neueren Zeit gab G. Ensholm, Teilnehmer am Feldzug Dibitsch Sabalkanskis im russisch-türkischen Krieg von 1828-1829. In seinem Buch „Niederschriften über die Städte hinter dem Balkan“ spricht er von 3500 Einwohnern, die sich hauptsächlich mit Schafzucht und den damit verbundenen Handwerken beschäftigten (Schneider, Tuchweber, Gerber, Kürschner), aber auch mit dem Maurerhandwerk und der Töpferei, dem Goldschmiede- und Sattlerhandwerk. Der Dolmabahce-Palast in Istanbul ist aus Marmor von Malko Tarnovo erbaut. In vielen kleinen Läden wurde reger Handel getrieben. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. war Malko Tarnovo eine schöne und reiche Stadt mit fast 8000 Einwohnern, die ihre bulgarischen Sitten und Bräuche pflegten. Eine Einklassenschule wurde Anfang des Jahrhunderts eröffnet, die erste weltliche Schule in den 40ger Jahren des 19. Jh., die Mädchenschule 1875. Theateraufführungen fanden ab 1902 statt. Nach dem Russisch-türkischen Befreiungskrieg verblieb Malko Tarnovo auf Grund des Berliner Abkommens auf türkischem Boden. Zur Zeit des Ilinden-Aufstands (1903) arbeitete hier das Revolutionskomitee des Kreises unter Leitung von Stefan Dobrev, Raiko Petrov, Lefter Metschev, Diko Dshelepov. Nach seiner blutigen Niederschlagung mussten etwa 5000 Einwohner von Malko Tarnovo ihre Heimatstadt verlassen. Erst 1912 wurde die Stadt endgültig befreit.
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